Die Geschichte von den Fröschen – Ermutigung zur Schwerhörigkeit

Es war einmal eine Gruppe von Fröschen, die gemeinsam durch einen Wald liefen. Plötzlich fielen zwei von ihnen in eine tiefe Grube, die sie nicht gesehen hatten.

Die anderen Frösche konnten einen Sturz in die Grube gerade noch verhindern und versammelten sich nun um das Loch im Boden. Sie blickten zu den beiden Kameraden herab, die tief unten auf dem Boden hockten und versuchten, aus der Grube herauszuspringen.

Als sie sahen, wie tief das Loch war, riefen sie den beiden zu, dass das Springen keinen Sinn hätte – die Grube sei viel zu tief. Sie sollten lieber aufgeben und einfach sterben.

Der eine von den beiden ließ sich durch die Aussicht, schon so gut wie tot zu sein, schnell entmutigen. Er erkannte, keine Chance zu haben und hörte auf zu springen. Schnell starb er.

Die anderen riefen zu dem übrig gebliebenen Frosch, dass er sich doch nicht weiter quälen, sondern sich ebenso wie der andere Frosch zum Sterben bereit machen sollte.

Der andere Frosch aber sprang weiter – unermüdlich, verbissen und eifrig. Höher und immer höher. Er mobilisierte noch einmal alle Kräfte und schaffte es tatsächlich, aus der Grube zu springen.

Oben angekommen fragten ihn die anderen Frösche: «Sag hast du uns nicht gehört? Wir hätten nie gedacht, dass es möglich sein könnte, aus der Grube zu springen.» Schnell stellte sich heraus, dass dieser Frosch schwerhörig war. Er hatte die ganze Zeit gedacht, die anderen feuerten ihn an!

(nach Michael Peterson)


Hoffnungsgeschichte eingebracht von Matthias Kaldenbach 13.09.2007
Für mich ist das eine Parabel dafür, dass es nicht immer gut ist, auf (selbsternannte) Experten zu hören. Insbesondere sollte man sich trotz permanenter Beteuerungen, dass es keine Alternative gebe (TINA – There is no Alternative), nicht davon abhalten lassen, sogar das zu versuchen, was unmöglich erscheint, vor allem, wenn das Leben davon abhängt.

 

Kommentar von Ulrich Duchrow 06.12.2007
Es kommt auch darauf an, wie schnell der Frosch zu springen beginnt! In Lateinamerika kursiert ein weiteres Froschgleichnis: Wenn man einen Frosch in einen Topf, gefüllt mit heißem Wasser, wirft, springt er sofort heraus. Wenn man einen Frosch in einen Topf voll kalten Wassers legt und ihn langsam erhitzt, versäumt er zu springen und wird gekocht.

Der neoliberale Kapitalismus hat in Europa seit den 1980er Jahren mit Salamitaktik eine soziale Errungenschaft nach der anderen abgeschafft und die Löhne gedrückt. Trägt dieses Froschgleichnis zur Erklärung bei, warum so wenige Menschen aus der VerliererInnenklasse und aus den Mittelklassen bei zunehmendem Sozialabbau nicht zum Widerstand aufgestanden und «gesprungen» sind?

 

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